Wer ist Gott

Gottesvorstellungen gibt es in jeder Religion. Ich möchte an dieser Stelle mich auf die Religionen beschränken, die auf alten israelitischen Überlieferungen beruhen, und die dortigen Gottesvorstellungen kritisch beleuchten:

"Gott" oder, welchen Namen man immer benutzen will, wird als allmächtiger Schöpfer des Universums dargestellt. Physikalisch könnte man Gott auch als "Urgrund" für Urknall und nachfolgende Entwicklungen sehen. Hier ergibt sich ein grundlegendes Problem: Trennt man das Universum von Gott, so unterscheidet es sich von Gott, hat entweder Eigenschaften, die von denen Gottes abweichen, oder hat bestimmte Eigenschaften nicht. Zusätzliche Eigenschaften sind unabhängig von Gott und ihm übergeordnet. Wie verträgt sich dies mit der "Allmacht"? Aus dem Problem kommt man heraus, wenn man Gott als das Universum umfassend begreift. Formulierungen in der Bibel und in gnostischen Schriften könnten diese Sichtweise stützen, z.B. die Bezeichnung "Kinder Gottes" für die Menschen.

Da der Zeitbegriff mit Ereignissen im Universum verknüpft ist und es keine einheitliche Zeit gibt, ist es vernünftig, Gott als "zeitlos" oder "ewig" zu bezeichnen. Gottes "Handeln" entzieht sich dann menschlicher Vorstellungskraft: Der Begriff ist eigentlich nicht angemessen, da er eine Verknüpfung mit der Zeit beinhaltet. Die Zeitlosigkeit impliziert "Allwissenheit", da "Ursache" und "Wirkung" zeitlich nicht mehr getrennt und damit sofort "sichtbar" sind. Um dies zu verdeutlichen, sei die Relativitätstheorie bemüht: Stellt man in ihr einen zeitlichen Ablauf dar, so erhält man eine geometrische Figur im 4-dimensionalen Raum, die vollständig "sichtbar" ist.

Diese Überlegungen zeigen die Gefahr, Gott durch unpassende Begriffe zu vermenschlichen und so zu verkleinern. Deshalb verlangt das alte Testament: Man solle sich kein Bild von Gott machen. Als Folge hiervon können Begriffe wie "Ärger", "Rache" usw. nicht mit Gott verbunden werden. Wer Gott diese Eigenschaften zuschreibt, zieht Gott auf menschliches Niveau herunter und verniedlicht ihn! Konsequenterweise kann man menschliches Handeln auch nicht mit göttlichem "Ärger" oder "Rachegefühlen" rechtfertigen.

[26.4.2020]