Was kommt?

Vor ca. 20 Jahren wurde auf einer Veranstaltung der Universität Bielefeld ein math. Modell zur Beschreibung von Emotionen vorgestellt. Entsprechende Programme ermöglichen es Avataren, Emotionen zu zeigen, eine Voraussetzung für menschenähnliche Gespräche mit ihnen. Mittlerweilen sind Programme in der Lage, aus Mimik und Tonfall eines Menschen auf dessen Gefühlsbefinden zu schließen. Umgekehrt können Avatare Mimik und Tonfall passend zu Texten simulieren, die sie gerade vortragen. Wie auf einer Veranstaltung des HNF Paderborn anfangs 2023 demonstriert wurde, kann man nicht mehr unterscheiden, ob ein Mensch oder ein Avatar einen (alltäglichen) Text vorträgt. Um die Stimme eines Menschen durch einen Rechner perfekt simulieren zu lassen, benötigt man nur eine kurze Wortäußerung des betreffenden Menschen. Es ist eine Frage der Zeit, wann diese Möglichkeiten in der Praxis genutzt werden und auf welche Weise. Denkbar ist z.B. die Verbreitung von Fake-News durch die Simulation von vertrauenswürdigen Personen zu politischen oder geschäftlichen Zwecken.

Ein weiteres Problem entsteht beim autonomen Handeln einer KI: Man kann der KI mit entsprechendem Material die Reaktion in bestimmten Situationen beibringen. Da die KI ihre Erfahrungen auch zu neuen Handlungsmustern kombiniert, kann es z.B. beim autonomen Fahren zu nicht gewünschten Reaktionen kommen. Die inneren Programmabläufe, die zu diesen Reaktionen führen, lassen sich (noch nicht) kontrollieren und sind unvorhersehbar. Gesteht man der KI Kreativität zu, so gibt man die Kontrolle vollständig an die KI ab, sofern man nicht eine KI-Ethik realisiert, die das Handeln der KI eingrenzt.
Es ist eine Illusion zu glauben, dass das Entwickeln von kreativen Reaktionen nur in der Weise geschehen kann, wie man es von Menschen kennt!
Dass diese Überlegung einen realen Hintergrund hat, zeigen einige Unfälle mit autonomen Fahrzeugen, bei der die gegebene Situation von der Elektronik falsch beurteilt wurde. Das Problem ist bekannt und derzeit aktuelles Forschungsthema.

Bevor man nun KI ablehnt, sie bietet auch Chancen: Durch die große Rechenleistung heutiger Rechnerfarmen wird es möglich, sehr große Datenmengen auf unbekannte Zusammenhänge zu untersuchen, und das in akzeptabler Zeit. Da die KI's im Prinzip nicht durch alte Vermutungen und Thesen eingeschränkt sind, können Zusammenhänge gefunden werden, die mit den bisherigen Methoden nicht aufgedeckt werden konnten. In der Gehirnforschung kann man durch entsprechend konstruierte KI's Thesen auf Plausibilität untersuchen, was sich durch direkte Versuche mit Menschen aus ethischen Gründen verbietet. [13.7.2023]