Intelligenz bei Tieren

Wie unter "Intelligenzbegriff" dargelegt, gibt es keine natürliche, allgemeingültige Definition von "Intelligenz". Ich werde darunter "Lernfähigkeit" verstehen, auf deren Einfluss hin Handlungen optimiert werden. Man kann dann bestimmten Tierarten Formen von "Intelligenz" zuschreiben.
Lange Zeit nahm man an, dass das Verhalten von Tieren instinktiv war, also durch Vererbung fest gelegt. In den letzten Jahren hat sich diese Sicht durch verschiedene Experimente und Beobachtungen relativiert:

Elefanten "benennen" einander mit Lauten, die sich von Elefant zu Elefant unterscheiden und die die einzelnen Tiere identifizieren.
Hummeln lernen von anderen Hummeln neue Verhaltensweisen ("Spektrum der Wissenschaft" 5.24). Hummeln können Freude am Ballspiel entwickeln (FAZ, 25.2.17). Vögel lernen Gesangsmelodien von ihren Eltern und variieren kreativ die Melodien (FAZ 16.4.24), ohne dass die Melodien genetisch vorgegeben sind. Auch Kraken zeigen in nicht natürlichen Situationen intelligentes Verhalten.
Sogar Planarien (Plattwürmer) und Einzeller sind lernfähig und können neue Verhaltensmuster entwickeln, ohne dass dazu ein Gehirn erforderlich ist (Spektrum der Wisenschaft, 8/24).

Wie der Lernprozess ohne Neuronen abläuft, ist noch nicht geklärt. Sind Neuronen beteiligt, so können sich diese zu einem oder mehreren Gehirnen konzentrieren.

Eigene Erfahrungen zeigen, dass der Aufwand für intelligente Fähigkeiten überschätzt wurde: Ein Netz aus 30 künstlichen Neuronen kann in ca. 60 Schritten lernen, Buchstaben zu erkennen. Diese Zahlen sind so niedrig, dass fast jedes Insekt Buchstaben lernen könnte, wenn ihm dies Vorteile bringt.
Um Wörter zu lernen, wäre pro Wort ein weiteres Neuron nötig, also insgesamt ca. 40000 Neuronen. Hingegen benötigen viele unbewusste Vorgänge deutlich mehr Neuronen.

Kann es sein, dass wir bei KI-Systemen ähnlich wie in der Vergangenheit bei Tieren "Intelligenz" nicht erkennen? Wir sind hier an einer Stelle angelangt, die in der aktuellen Philosophie diskutiert wird und nicht geklärt ist.

[11.9.2024]